Italienische Filme mit deutschen Untertiteln

An jedem 3. Donnerstag im Monat

2019 - 2. Halbjahr



19.09.2019, 20:00

TUTTI I SANTI GIORNI (TAGEIN TAGAUS)

Italien 2012, Dauer: 102 min, Regie: Paolo Virzì - OmU
Darsteller: Luca Marinelli, Thony, Micol Azzurro, Claudio Pallitto u.a.

Wenn Lieben einfach nur „sich lieben“ wäre. Aber da gibt es sich nicht erfüllen wollende Kinderwünsche, freundliche Mitmenschen mit wohlmeinenden Ratschlägen, Erfolgsnachfragen der Eltern und eine berufliche Realität mit ihrem Einfluss auf die Beziehung. Helfen in dieser Situation moderne Reproduktionstechniken, wissen namhafte Ärzte wirklich zu raten? Oder erstickt die Liebe unter dieser intensiven Teilnahme?
Guido kommt aus der Toskana, begeistert sich für antike Sprachen sowie frühchristliche Heilige und arbeitet als Nachtportier. Er liebt die Sizilianerin Antonia, Angestellte eines Autoverleihs,die ihrerseits Guido liebt. Gemeinsam verbindet sie die Leidenschaft zur Musik. Sie spielt in einer Bar. Dort haben sie sich kennengelernt und trotz ihres unterschiedlichen Charakters ineinander verliebt.
Beide wünschen sich ein Kind, das aber auf sich warten lässt. Je mehr Zeit vergeht, desto drängender werden die Nachfragen von den Eltern, die gerne Enkel hätten, und Freunden, welche dem Paar den Eintritt in die Schicksalsgemeinschaft eines Lebens mit Kindern wünschen. Da auch die Segnungen der modernen Medizin nicht helfen, gerät die Beziehung unter Druck und es droht ein sich auseinanderleben. Wird es den Beiden gelingen, die Krise zu meistern?
17.10.2019, 20:00

LA GATTA CENERENTOLA (CINDERELLA THE CAT)

Italien 2017, Dauer: 86 min, Regie: Ivan Cappiello, Marino Guarnieri, Alessandro Rak, Dario Sansone - OmU
Stimmen: Massimiliano Gallo, Maria Pia Calzone, Alessandro Gassmann, Renato Carpentieri u.a.

Wer sagt denn, dass Zeichentrickfilme nur etwas für Kinder sind? Auch wenn „Cinderella“ im Titel ein Märchen erwarten lässt: es handelt sich um einen Film, der sich ausschließlich an Erwachsene richtet. In Abwandlung der gleichnamigen Geschichte aus Giambattista Basiles Sammlung „Pentameron“ (1634/36) wird vom Scheitern einer Utopie und deren Untergang in Korruption, Gewalt und mafiösen Strukturen erzählt, aber auch davon, dass es im dunkelsten Geschehen eine Hoffnung gibt, aus der sich ungeahnte Ereignisse entwickeln.
Die Megarida ist ein Schiff (und Schauplatz des Films), das der Vater der jungen Mia als reicher Visionär und Wissenschaftler als Versprechen einer besseren Zukunft errichtet hatte. Seitdem der Vater seine Utopie vor 15 Jahren mit ins Grab nahm, liegt es in der Bucht von Neapel fest. Mia ist seitdem ihrer Stiefmutter ausgeliefert, die mit ihren sechs hinterlistigen Töchtern einen florierenden Drogenhandel unterhält und Mia wie einen Dienstboten behandelt. Doch plötzlich wird Mia für die kriminellen Partner der Stiefmutter wichtig und ihr Schicksal scheint vorgezeichnet. Doch Mia gibt nicht auf und findet auf einmal Verbündete aus der Zeit ihres Vaters.
Diese auf einem Kreuzfahrtschiff im Hafen eines futuristischen Neapels spielende Geschichte, ist in einem comicartigen Zeichenstil erzählt, holographische Erinnerungen Mias werden wie Rückblenden eingesetzt, so dass sich die Erzählebenen der Gegenwart und Vergangenheit durchdringen und gegenseitig kommentieren. Ein in jeder Hinsicht spannender Film und ein Rausch für die Sinne.
21.11.2019, 20:00

LA RAGAZZA NELLA NEBBIA (DER NEBELMANN)

Italien/Deutschland/Frankreich  2017, Dauer: 97 min, Regie: Donato Carrisi - OmU
Darsteller: Toni Servillo, Alessio Boni, Jean Reno u.a.

Im Krimiland Italien (Gianrico Carofiglio, Andrea Camilleri, Donna Leon, Veit Heinichen u.a) hat sich der Autor Donato Carrisi aufgemacht, seinen Bestseller LA RAGAZZA NELLA NEBBIA zu verfilmen. Herausgekommen ist eine aus Rückblenden und Erinnerungen aufgebaute, weitgehend aber chronologisch erzählte Geschichte, die bis zum Schluss rätselhaft bleibt. Sie spielt virtuos mit den Elementen der äußeren Erscheinung und dem tatsächlichen Inhalt und selbst als die Handlungsfäden schließlich zusammenfinden, alles geklärt scheint, nimmt die Erzählung erneut eine unerwartete Wendung.
Toni Servillo, Alessio Boni, Jean Reno: der Film wartet nicht nur mit namhaften Stars auf, ihm gelingt es auch, die literarische Vorlage in ein visuelles Erlebnis zu verwandeln.
In einem nur durch eine dort endende Straße erreichbaren Bergdorf in den italienischen Alpen ist ein Mädchen verschwunden. Erinnerungen an ein ähnliches Ereignis vor Jahrzehnten werden wach. Alle Hoffnungen liegen auf Agente Vogel, der hingegen selbstherrlich Verdächtige den Medien präsentiert und an seinem Image arbeitet, das durch seinen letzten Fall etwas ramponiert wurde.
Wer ist der Täter – das ist hier nicht die Frage. Vielmehr stehen die möglichen und sich bei Gelegenheit verwirklichenden Abgründe der gezeigten Personen im erzählerischen Blickfeld. Nicht nur wird genretypisch hinter die bürgerliche Fassade geschaut, sondern dem inneren Antrieb des Einzelnen nachgegangen.
19.12.2019, 20:00

LAZZARO FELICE (GLÜCKLICH WIE LAZZARO)

Italien/Schweiz/Frankreich/Deutschland 2018, Dauer: 128 min, Regie: Alice Rohrwacher - OmU
Darsteller: Adriano Tardiolo, Agnese Graziani, Alba Rohrwacheru.a.

Ob der Film eine Parabel über den biblischen Lazarus ist oder nicht, kann offen bleiben. Mit teils märchenhafter Phantasie erzählt Alice Rohrwacher die Geschichte der Armut im Feudalsystem und der randständigen Gesellschaftsschichten der Moderne. Dabei steht sie in der Tradition der italienischen Filmgeschichte, nimmt aber auch Anregungen des Magischen Realismus auf.

Lazzaro ist ein stiller Beobachter, er schaut, als müsse die Welt seine Augen durchdringen, um eine bessere zu werden. Im Alltag ist er der Depp, der allen zur Hand geht und auch nicht protestiert, als ihm der Marsala vor dem Mund weggetrunken wird. Er lebt in einer Gesellschaft, die, offensichtlich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts angesiedelt, wie in einer feudalistischen Ausbeutung arbeiten. Über allen thront die Marchesa in ihrer Villa. Deren angeödeter Sohn freundet sich mit Lazzaro an, der ihm sklavisch folgt. Dann räumt auf einmal die Polizei das Gelände und Lazzaro stirbt.
Als er von den Toten aufersteht, begibt er sich in die Stadt und trifft seine alten Bekannten wieder, die obdachlos auf einer Art Schrottplatz hausen. Sie haben die ländliche Armut mit dem urbanen Elend getauscht.
Insofern ist der Film auch eine komprimierte Darstellungen der Folgen der Landflucht und über die Armut, deren Gestalt sich nur gewandelt hat.
Angereichert wird die Erzählung durch mythische Elemente wie einem die Erzählstränge verbindenden Wolf, eine mondwerdende Bratpfanne oder einem Steinschleuderer, der mit seiner Schleuder einen Zeitensprung verursacht.